MeToo - ein Problem der Linksliberalen?

Gedanklicher Fortschritt aufgrund von Erfahrungen kann täuschen. Ich habe mich in meinem Leben hauptsächlich in linksliberalen Kreisen bewegt, also vermute ich, dass Vergewaltigung ein Problem der Linksliberalen ist.

Der Gedanke liegt erst einmal nahe: die liberale Sphäre Hollywood stand durch Weinstein, Polanksi und Epstein im Fokus. In Deutschland beklagten sich linksliberale Frauen im Social Web über die Übergriffigkeit von Männern. Herausgehoben war auch hier die Kulturszene. Vergleichsweise irrelevant gegen die gravierenden Fälle, die berichtet wurden und auch gegen meine eigenen Erfahrungen war der in „Aufschrei“ thematisierte Sachverhalt um Rainer Brüderle. Brüderle wirkte wie ein ungeschickter netter alter Mann und nicht wie ein Verbrecher.

68 hat die Verhältnisse aufgemischt. „Wer zweimal mit demselben pennt“ war sprichwörtlich, auch die mit mir verbundene Parole „Monogamie ist keine Lösung“ stieß in das selbe Horn. Es gehen eben alle fremd, hatte ich mir gedacht, wofür noch die alten Regeln? So kam es mir auf jeden Fall vor. Alle möglichen Männer gingen mit mir fremd, auch der Vergewaltiger war verheiratet.

Nun kann man nicht den Schluss ziehen, dass, wer ehebricht, auch vergewaltigt, es wird aber gewiss anders herum so sein, dass, wer vergewaltigt, auch ehebricht. Wer Gesetze und Normen an einer Stelle nicht einhält, ist offener dafür, dies auch an anderer Stelle nicht zu tun. Zudem ist die sexuelle Gewalt, wenn sie denn sexuell ist, und nicht sadistisch oder zur eigenen Erhöhung ausgeführt wird, immer auch ein Betrug an der Ehefrau, wenn denn eine vorhanden sein sollte.

Daher kann man also schnell auf den Gedanken kommen, dass die Liberalisierung durch 68 zu einer Sexualisierung und gleichzeitigen Erhöhung der Unsicherheit geführt hat, die letztlich zu mehr sexueller Gewalt geführt hat. Der empathielose Umgang der Grünen mit der Selbstbestimmung von Kindern ist ein Beispiel davon, Berichte über Fickfleisch in 68er-WGs ein weiteres.

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass die Ideologie der 68er bzw. der Grünen von mangelnder Empathie geprägt ist, Technokratie, Ökologismus und die besonders stark an den Tag gelegte Erbarmungslosigkeit gegenüber Andersdenkenden sind nur einige Ideen. Wenn aber in diesen politisch aufgeheizten Zeiten weiter geheuchelt wird, dann gefährdet auch dies die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und politische Mitbewerber wären gut beraten, damit aufzuhören, den Grünen nachzulaufen und von Gendersternchen bis Grundeinkommen die kommunizierten Inhalte der Grünen nachzumachen.

Aber das nur nebenbei. Wenn also jenes, was die Post-68er auszeichnet, vor allem neoliberale Empathielosigkeit ist, dann findet sich diese vermutlich auch in den Lebensverhältnissen, welche uns diese vermutlich bald an der Bundesregierung beteiligte Partei aufdrücken will. Denn das Private ist bekanntermaßen in deren Augen ja politisch und so wird mit einer grünen Gesetzgebung eben nicht nur mehr Wahlfreiheit, sondern auch mehr neoliberale Grausamkeit in unsere Lebensverhältnisse einziehen.

So wie in den 80ern der totale sexuelle Wettbewerb zwischen Kindern und Erwachsenen ausgerufen wurde – was meine Mutter im Übrigen eins-zu-eins umsetzte, wenn ich meinen Brüdern trauen darf, sie behandelte mich in einer Art seltsamer Konkurrenz, sagen sie – so treiben die Grünen nun eine queere Entsolidarisierung voran, die wieder von empathieloser Gleichmacherei geprägt ist.

Unter dem Deckmantel der Vielfalt wird so getan, als würde man sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen, das Gegenteil ist jedoch richtiger. Schon im Zuge der Hartz-IV-Reformen gab es das Ansinnen, individuelle Bedarfe komplett zu streichen, was letztlich doch nicht ganz, aber doch in Teilen durchgesetzt wurde. Nun wird diese empathielose neoliberale Denkweise auf die privaten Lebensverhältnisse ausgeweitet. Ich darf mich nicht mehr beschweren, dass es mir Unbehagen bereitet, wenn sich Trans* Zugang zu Frauenräumen verschaffen und dort über Regelblut lästern oder Diskriminierungserfahrungen durch meine Rolle als gebärfähige Frau kleinreden, so wie es Xenia von Uexküll im Tagesspiegel gemacht hat.

Genitalien werden zu Performance-Objekten, die frei gewählt werden können, jahrtausendalte Diskurse werden negiert, obwohl sie natürlich unter der Haube weiter wirken und meine Freiheit auf dem Arbeitsmarkt beschneiden. Ich bin für mein Scheitern komplett selbst verantwortlich, denn ich hätte mich ja anders entscheiden können.

Der Sexismus wird durch den Fokus auf Sprache in Verbotszonen verdrängt, Kritik an Sexismus wird zugleich zu einer neuen Möglichkeit, die Unterschicht zu gängeln, während linksliberale Vergewaltiger unbehelligt bleiben, wenn sie sich nur des Gendersternchens bedienen. Mehr noch, die linksliberale Oberschicht meint, für mich entscheiden zu können, wer mich vergewaltigt hat und wer nicht.

Es muss ein Rechter gewesen sein, du kannst das nicht wissen. Einer von uns war das nicht. Wir entscheiden, dass du traumatisiert bist und wer es war, geben dir aber keinen Hinweis. Du bist selbst schuld, dass wir dich nicht mehr wollen, hättest du mal nicht geschrieen. Bei uns wird nicht mehr geschrieen, Schweden ist unser Vorbild. Wer schreit, hat seine Hormone nicht im Griff. Das Testosteron muss weg. Der neue queere Neoliberalismus ist postmoderner Sexismus.

Der queere Neoliberalismus richtet sich aber nicht nur gegen die Unterschicht und eben paradoxerweise gegen die beschädigten Frauen, sondern auch gegen andere klassische Minderheiten, nämlich gegen die Juden.

MeToo kam aus der Gewalttätigkeit und Empathielosigkeit der Linksliberalen, die nicht sein darf, und wird nach dem Recht des Stärkeren genutzt. Weinstein, Polanski, Epstein. Bei der liberalen Sexparty von den 70ern bis heute haben alle mitgefeiert, Iggy Pop, David Bowie, die Clintons, Donald Trump, Prince Andrew – bestraft werden aber nur die Juden. Auch Antisemitismus ist Neoliberalismus. MeToo zeigt uns die Strukturen.

MeToo – ein Problem für die vergewaltigten Frauen, die Unterschicht und die Juden.

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