Traurige Geschichte

Die Szenen, die sie schilderte, sind drastisch. Sie erzählte vom Teamkollegen, der sie mit 16 betrunken machte und vergewaltigte, vom Heimleiter, der Jungen missbrauchte, vom Rennläufer, der eine Kollegin bei ihrem ersten Geschlechtsverkehr filmte und das Video der gesamten Mannschaft präsentierte: „Ihm ist gar nichts passiert, sie hat sich zu Tode geschämt und den Sport geschmissen.

Tja, ich wurde auch beim Sport betrunken gemacht, vergewaltigt und fotografiert. Außerdem geschwängert und auf einem Zeltlager gleich mehrfach belästigt. Schweineland Niedersachsen, 90er und frühe 2000er. Hab dann noch ein bisschen mit Judo weitergemacht und 2001 nach meinem Umzug nach Nordrhein-Westfalen aufgehört. Glück im Unglück war, dass ich beim Judo nicht nur Arschlöcher getroffen habe, sondern auch Ehrenmänner. Die waren bei den Athleten angesiedelt, die Volldegenerierten fanden sich bei den Trainerausbildern.

Es war eine wilde Zeit, damals, im Schweineland Niedersachsen. Rauschhaft. Wir waren wie Tiere.

Da habe ich mich jetzt seit Frühjahr 2018 mit befasst. Wäre ne schöne Geschichte mit Tokio 2020 gewesen. Japanischer Kampfsport damals und heute, Unterschiede zwischen unterschiedlichen japanischen Kampfsportarten, japanische und deutsche Machtstrukturen, in denen sich Täter verstecken können, perfide verschränkt. Sport gegen Gewalt und Drogen? Interessiert nicht. Vor allem nicht im Schweineland Niedersachsen. Da hält man noch zusammen, sogar die Frauen vom Landessportbund waren Teil der Wagenburg. Wie im Veedel. Ich hatte die Vermutung, dass diese Zustände strukturell sind, auch, dass generell zu viel gesoffen wurde und dass es noch weitere Opfer gibt.

Mit Unterstützung des Weißen Rings habe ich zu suchen begonnen und dann recht schnell eine ehemalige Athletin gefunden, die in einem erbarmungswürdigen Zustand ist. Und ich weiß, wie damals über sie gedacht und vermutlich auch geredet wurde. Es wurde kritisiert, dass sie mit einem Jüngeren zusammen war. Das passte nicht in das Bild des alten dicken Senseis und der jungen schönen Frau. Oder es war einfach Neid. Toxischer Neid. Sie hat sich schon damals für Mädchenrechte eingesetzt. Das war vermutlich ziemlich deprimierend. Eine extrem traurige Geschichte.

War insgesamt schon ziemlich frauenfeindlich beim Judo. Ich glaube auch nicht, dass sich allzuviel geändert hat, warum sonst wird die Olympiasiegerin nach Israel deportiert, während ein Mann mit einem Olympiasieg automatisch ein Abo auf eine Festanstellung als Trainer hat. La femme n’existe pas. Also vielleicht noch mehr traurige Geschichten. Oder es ist doch anders und die beim Judo sind nur feindlich gegenüber Frauen mit kurzen braunen Haaren. Wer weiß das schon?

Rausfinden wird das wohl niemand. Die zuständige Journalistin lässt sich nach meinem Eindruck vom Niedersächsischen Judo Verband einlullen. Wie auch anders, in ihrer Sportschau-Doku zu sexuellem Missbrauch wird gleich zu Beginn kritisiert, dass man als Strafe fürs Zuspätkommen Liegestützen machen muss. Findet jeder Sportler normal, ist auch normal.

Vielleicht sollten Leute Sportjournalismus machen, die von Zeit zu Zeit Sport machen. Die wissen, wie man durchzieht, wie man ein Kampfschwein ist und ordentlich ballert. Wenn da so ne Feministin kommt, die ist ja schon von der Sprache der Sportler abgestoßen. Da muss man sich ja nicht wundern, wenn sie nichts findet. Dumm für Opfer, die sich mit ihr einlassen.

Tja, traurige Geschichte.

Die Täter waren fast ausschließlich hohe Danträger, was zu der unten verlinkten Studie passt. Ich wurde nicht benachrichtigt, nachdem der eine Täter, über den ich mich bereits im Jahr 2000 beschwert hatte, sanktioniert wurde. Der Verantwortliche für die verwahrlosten Zustände in Niedersachsen, die zu mehrmaligen sexuellen Belästigungen, einer aus meiner Sicht schon eher schwereren Vergewaltigung, zu der Nichtbenachrichtigung, sowie dazu, dass ich mit 21 geschwängert wurde, geführt haben, ist nicht nur immer noch im Amt, sondern erhielt kürzlich als Dank für sein kopfloses Regieren und das schwanz- und seelenlose Schwängern meiner Person den 7. Dan (einen hohen Meistergrad) verliehen. Ein wahrer Ehrenmann!

Eher ein hochgradig geistig gestörter Kletteraktivist. Hat übrigens bei Facebook das Ausbrechen des Traumas beobachtet und mich Schaf in Telefonaten und Gesprächen abgecheckt. Ist nicht der Einzige, der über Social Media „den Kontakt gehalten“ hat. Klassiker.

Daneben benommen haben sich wie so oft in meinem Leben fast ausschließlich Ökos, es gab beim Judo aber auch einen Fall eines Prolls. An sich gab es im Vorfeld der Belästigungen auch noch den Klassiker des Geredes, in meinem Bezirk wurde behauptet, dass mein Heimtrainer eine Affäre mit mir habe, obwohl ich mich jahrelang seiner Avancen erwehrt hatte. Das Gerede unter den Duschen im Bezirk und am Stützpunkt in Hannover war dann wohl die Basis für die Vergewaltigung.

Hinzu kommt mangelnder Datenschutz: der Täter hatte Zugang zu Teilnehmerlisten, worauf sich meine Handynummer befand. Ein Hohn, dass heute mit Datenschutz argumentiert wird, wenn ich nur danach frage, was damals eigentlich beim NJV los war und ob ich Informationen erhalten könnte, die mir für meine Aufarbeitung hätten nützlich sein können. Damals war ich so stolz auf mein Handy und fasziniert von den neuen Kommunikationsmöglichkeiten und freute mich diebisch über jede der zu dieser Zeit noch so seltenen Nachrichten. Als Erstsemesterin war ich alleine in Ostdeutschland, hatte keine Freunde, am Wochenende nichts zu tun und war das perfekte Grooming-Opfer. Es gelang, mich per SMS zu einem Turnier in eine andere ostdeutsche Stadt zu locken. Dort gab es dann Dosenbier, das der Täter kurzfristig bei einer Tankstelle besorgt hatte und verschmitzt zwinkernd aus seiner Sporttasche zog. Dosenbier macht schlau!

Ich war vulnerabel und hatte es nicht anders verdient. Schlampe!

So ist das dann wohl auch mit der Verleihung des Dan-Grades gekommen. Er hat halt einfach gelogen und die Anderen haben es geglaubt, weil ich ja eine Schlampe war. Die Judo-Meister halten eben doch unabhängig von politischer Einstellung und Habitus zusammen, Kampfbulle und Maus sind in einer Mannschaft, so lange da ein Genital baumelt. Der Niedersächsische Judo Verband behauptet, er hätte nichts machen können, das sei vom Deutschen Judo Bund gekommen. Der DJB hat ein geheimes Gremium, das ausschließlich aus alten dicken Männern mit hohen Dangraden besteht. Die hatten sich überlegt, dass turnusgemäß nun der nächste Dan zu verleihen wäre. Eine Hand wäscht die andere. In ist, wer drin ist.

Das Verfahren für die Verleihung des hohen Dan-Grades lief, nachdem ich im Frühjahr 2018 meine Erlebnisse beim Niedersächsischen Judo Verband eingereicht hatte. Beim NJV wurden die Unterlagen Anfang 2019 durchgearbeitet und als ehrenordnungskonform beurteilt. Beim Gremium der dicken Senseis bescheid gesagt hat niemand. Oder das Verfahren wurde sogar besonders schnell eröffnet, damit der Dan verliehen ist, bevor das Thema öffentlich wird. Auch unangenehm, weil ich vorgeschlagen hatte, dass man in die Ordnungen schreibt, dass ehrenlosen Belästigern verliehene Dan-Grade wieder entzogen werden können. Und dann sowas. 1984. Richtig ist falsch. Oder was ist vorgefallen? Ich habe ja keine Ahnung. Traurige Geschichte.

Vielleicht tut ja mal wer was.

Ich hab jetzt wirklich Besseres zu tun.


Wichtige Studie zum Thema: „Der alte dicke lüsterne Judo-Trainer“. Deutscher Judo Bund weiß noch nicht, ob er die gerne öffentlich verbreiten will, Niedersächsischer Judo Verband überlegt auch noch. Ich soll mich jetzt an den DOSB wenden. Sportartspezifische Debatten haben die anscheinend nicht so gern.
Ach ja: auf dem Bild oben kann jeder Experte sehen, wie schlecht ich Judo kann. Das liegt daran, dass ich jahrelang aus Verliebtheit den falschen Wurf geübt habe. Seit ich 17 Jahre alt war, war ich in den späteren Schwängerer verliebt, dessen Lieblingswurf das war. Der hat allerdings gar nichts dazu gesagt, obwohl die Darbietung ganz offensichtlich grottenschlecht ist. Pädagogischer Eros ohne Erotik (dafür Hassfick) und ohne Pädagogik. Das ist echt ne Leistung.

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