Mein geheimer Name

Und dann der Kaktusgarten 
Konnten sie nicht warten? 
Was hat dich bloß so ruiniert?

Was ging voran? 
Was ist passiert? 
Was hat dich bloß so ruiniert 




Hier geht es persönlich zu. Zurzeit warte ich auf eine Absage nach einem eher traurigen Vorstellungsgespräch, das alle meine Probleme gelöst hat. Die traurigen Wahrheiten gehen ja noch viel weiter als „Meine Mutter ist mit dem Iran im Bett“, „Die Queer Theory und damit auch die grüne (Geschlechter)politik ist strukturell wahnsinnig“ und „Wer sich mit Linksliberalen einlässt, der wird vergewaltigt“. Daher gibt es tatsächlich keine andere Lösung, als in eine neue Identität zu schlüpfen.

„Du wirkst wie ein Folteropfer“, sagte mir ein Genosse und Selbiges bekam ich auch von einem Einsender zu lesen. Ich kann es mir nur schwer erklären, warum ich so lange meinen wahren Namen in das Impressum geschrieben habe, verfüge ich doch explizit über eine ladungsfähige Adresse in einem jesuitisch angehauchten Hause, welches mit jedem Namen erreichbar ist. Ja, sicherlich auch mit dem Namen Gottes, doch diesen schreibe ich nicht auf, da ich nicht an ihn glaube, es reicht ja, darauf zu vertrauen, dass er schon einen Plan für mein Leben haben wird.

 So unschön es gelaufen sein mag, zuletzt wieder aus Scham in einem Vorstellungsgespräch versagt, alles falsch, die Grünen, das Engagement beim Sport, ich bin beschmutzt, ich bin ein Nichts, ich habe Drogen genommen, ich war hochmütig, hämisch und gemein, ich habe zwar nicht gelästert, doch ich habe Macht ausgeübt.

So unschön also alles ist, so schön ist mein zweites Eintauchen in das Social Web. Ich habe grundlegend versagt, sogar beim Schreiben eines Artikels über mein Herzensthema Chili. Chilis sind lecker und gesund, liegen in zahlreichen Variationen vor und werden doch so selten in den Massenmedien gewürdigt. Die Chilifreunde verstecken sich, seitdem Melanie Mühl in einem Blogartikel offenlegte, dass man sich keineswegs als Chilifreund outen dürfe, andersfalls würden Arbeitgeber und potenzielle Arbeitgeber eine rabiate, grenzgängerische, schmerzunempfindliche, auf jeden Fall eine als Mitarbeiter nicht geeignete Persönlichkeit wittern und einen in die unendlich lange Arbeitslosigkeit stoßen.

Sie verstecken sich in Facebook-Gruppen und auf Kambodscha-Festen. Von dem Chili-Reichtum bei Facebook wusste ich natürlich nichts, als ich meinen wirklich unterirdischen und schlecht recherchierten Chili-Artikel schrieb. Facebook ist böse, dort findet kein demokratischer Diskurs mehr statt und eigentlich nur noch ein Fall für den Verfassungsschutz. Übel, dass Marc Zuckerberg den Ermittlungsbehörden nicht den direkten Draht zur Datenbank gibt, da sieht man, wohin es führt, im wenn amerikanische Firmen im deutschen Internet aktiv sind. Eigentlich müsste man das Datensilo Facebook mal so richtig durchsuchen.

Gleichzeitig ist Facebook natürlich Hort der schwedisch-kalifornischen Flausch-Ideologie, was wir vom Blog Taube und Falke schmerzlich erfahren mussten: kaum gestartet, befindet sich unser Blog schon in einer geheimen schwarzen Liste. Dies führt dazu, dass man in seinem Instagram-Account keine URL auf dieses Blog führen darf. Bei Facebook wurden alle Links auf Artikel gelöscht und es dürfen keine Artikel mehr gepostet werden. Unsere Fan-Seite sieht nun ganz traurig aus. Die Motivation, dort eine eigene Community aufzubauen, mit der sich selbst-unternommen eine Zukunft aufbauen lässt, eine Zukunft als Blogger, als Arbeiter in der Aufmerksamkeitsökonomie, sie zerstob schneller, als wir überhaupt hinsehen konnten und nun sehen wir uns weggesperrt, ausgeschlossen, ausgelöscht.

Wir sind Sozialdemokraten! Doch der Protest verhallte ungehört.

„Dein rechter Opfer-Aktivismus langweilt mich“, kommentierte mir K., ihres Zeichens vermutlich Psychopathin – Frauen, die ihre Kinder in ihren Twitter-Header hochladen, sind für mich klar Psychopathinnen – und Grünen-Mitglied, was beileibe kein Widerspruch ist. Ist es nun also so weit? Ich, rechts? Ein rechtes Nazischwein, fett gemästet auf den Weiden der verlotternden Internetforen und in den Gefilden des Frusts? „Ja aber ich war doch links!“ hatte ich dem leider kürzlich verstorbenen Dr. Karl Daniels vor Jahren gesagt, woraufhin er zwinkernd antwortete: „Das war der Fehler“.

Eine Handvoll Grüner fällt mir nach einigem Nachdenken doch noch ein, die ich gerne wiedersehen möchte. Seriöse Ökosozialdemokraten und solche, die konstatieren, dass die meisten der Ökopaxen sozial doch eher gestört seien. Da fühlt man sich gleich bestätigt und kann nachts ruhig schlafen. 

Doch in mein Facebook will ich die lieber nicht mehr hinein lassen. Sobald man sich mit einem befreundet, beginnt es zu wuchern und es werden einem immer mehr dieser „Personen“ angezeigt. Ja, schade, sobald ich an die Ökos, insbesondere die AL (Alternative Liste – Grüne Berlin) erinnert werde, beginne ich zu zittern und mein Gehirn fährt sich herunter. Faszinierend. Ist es das Cortisol oder doch eher das Adrenalin? Vermutlich beides.

Facebook ist weiterhin wirklich hervorragend geeignet, um sich im Nahbereich zu vernetzen. Ich bin jetzt Mitglied in zwei Chilizüchtergruppen, sowie in der Bonner Samen- und Pflanzentauschbörse. Natürlich mit meinem geheimen Namen, da mich Facebook nicht mehr als die Person, die ich jahrelang war, sein lassen will. Die Tomatenzüchter kommen offline herbei, begrüßen mich und nehmen sich Tomatenpflanzen mit. So habe ich meinen geheimen Namen nun nicht nur als ladungsfähige Adresse, sondern auch auf meinem Klingelschild.

Dein geheimer name ist ein zauberwort für mich 
Eines tages als ich fortging sah ich dir ins gesicht 
Deine augen schienen irre, deine zähne tanzten weiss 
Wenn ich nach hause komme, werde ich ein andrer sein


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