Die Frau von Welt zahlt selbst



Die Coronazeit ist vorangegangen. Vor sechs Wochen waren wir alle ganz heiß auf Desinfektionsmittel. Ich trage das kleine Fläschchen immer noch bei mir, benutze es jedoch nur noch in Wut-Situationen. „Jetzt habe ich mich aber ganz arg vergiftet - schnell das Mittel drauf!“. Mein Hamster-Regal leert sich. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, im Kühlfach Kalbsleber zu hamstern. Corona zeigt einem eben, was wirklich wichtig ist. Und wie Sascha Lobo sagte: es bringt in jedem das Wesentliche hervor. Also Kalbsleber für mich.

Das Hamster-Regal hingegen: kaum mehr als ein erster Versuch. Die Bohnen, die rote Beete, alles geht dahin. Nur das Sauerkraut und der Rotkohl sind noch unangetastet. Aber die werden drankommen, wenn der Sport wieder beginnt. Nudeln mit Rotkohl - das kommt gut weg.

Nicht so gut weg kam in der Vergangenheit in diesem Blog der Feminismus. Die Kampagne mit dem Patriarchat ist halt leider dumm. Und daraus abzuleiten, sämtliche Randgruppen, auch solche, die eher in die Psychiatriekritik als in die Sexualpolitik gehören, aufzunehmen - ich verstehe es nicht. Daher setze ich nur noch auf Subjektivität. Subjetivität ist postmodern, Subjektivität ist böse. Subjektivität wird mir helfen, einen ganz neuen Körperfeminismus mit Hormonen und Glück zu erschaffen. „Lies doch mal eine empirische Studie!“ ruft es aus dem Äther, doch allein, die feministischen Studien sind in seltensten Fällen empirisch und wenn, dann werden sie nur von Feministinnen verstanden, weil die Skalen falsch sind.

Auch die Aufarbeitungskommission für den sexuellen Missbrauch, immerhin eine an der Bundesebene Deutschlands angeschlossene Institution ist aus meiner ganz subjektiven Sicht leider größtenteils Müll. Großspurig verkündete sie vor knapp einem Jahr, sich nun dem Missbrauch im Sport widmen zu wollen. Vergessen hatten die Mitglieder dieser fachlich so hochkarätig besetzten Kommission dabei offensichtlich, dass der Sport schon seit 2016 nicht mehr in den Fonds sexueller Missbrauch einzahlt. Zum Glück hatte ich meine Aufarbeitung schon vorher begonnen, allein, die Initiative hat mich letztes Jahr schon noch mal retraumatisiert. Mein Studium konnte ich praktisch knicken. Und meine Wiederherstellung durfte ich insgesamt selbst herbeiführen, da ja kein Geld im Topf ist. Ganz großes Kino, liebe Aufarbeitungskommission. Aber immer auf die katholische Kirche raufschlagen. Das hat man gern.

Jemand sollte mal auf diese Aufarbeitungskommission raufschlagen und auf die Kommissionsvorsitzende gleich mit. Die verkündet großspurig, dass die Arbeit der Aufarbeitungskommission durch rechte Hasssprache verkompliziert würde. Ja, Frau Andresen, vielleicht suchen Sie die Opfer mal bei den Hasssprechenden - ist es denn so schwer? Das ist nun mal diese Generation. Nehmen Sie Ihre Aufgabe endlich ernst, anstatt in der Kommission den feministisch-akademischen Grüßaugust zu machen!

Danke, Frau Andresen! Auch insgesamt ne gute Leistung bei Missbrauch im Sport, sportspezifisch so  differenziert wie die anderen Feministinnen, die sich am zuweilen kasernenhaften Ton der Sportler hochziehen, nichts verstanden und dann eben noch die Sache mit dem leeren Geld-Topf. Opfer schön retraumatisieren und dann wieder vor die Tür schicken. Ganz große Denkleistung.

Geld gibt‘s für mich also nicht. Bisschen rumsitzen bei der Therapie war nicht schlecht, es war überhaupt nicht alles schlecht, wenn man in der Lage zu abstrahieren ist und auch noch aus dem letzten Müll etwas Gutes herauszupressen. Kreislaufwirtschaft ist ja eh ein Zukunftsthema. Und ich als Besitzerin eines Komposthaufens kann da gut mitreden.

Überhaupt muss man auf Abwege geraten, um sich wiederherzustellen. Depressive, die sich der viel kritisierten Normalmedizin unterwerfen, zerstören sich einfach mal ihr Serotoninsystem mit SSRIs. Ist natürlich traurig, weil sich Depressive nicht gern wehren. Aber man muss sich eben umschauen und früher war Psychiatrie ja eh viel schlimmer. Da kann ich nur dreimal auf Holz klopfen, dass ich mich mit der Chilizucht wiederhergestellt habe und in kritischen Situationen als Diagnose lieber die Psychose als die Depression ausgewählt zu haben. Drei Monate Neuroleptika reinschaufeln hat noch den Wenigsten geschadet, SSRIs hingegen schon. Man muss selbst aufpassen, in der Krise nicht zur Fritte zu werden. Da hilft einem keiner, weil es einfach zu wenig subjektive Berichte zum Thema gibt. 

Der Sport zahlt nicht, die Nerds müssen nicht zahlen, die Grünen sind vergessen. Meine Mutter wird das Erbe verjubelt haben, bevor sie wieder normal wird. Soll sie doch alles, was mit der deutschen Kriegswirtschaft und der westlichen Nahrungswirtschaft verdient wurde, verjubeln. Immerhin war sie Leidtragender als ich, leider weiß sie das mit über 70 immer noch nicht. Deutscher Wahnsinn, deutsches Geld, deutsche Opfer, und die, die es merken, werden doppelt bestraft. Dumme Nachkriegskinder! Kannste vergessen wie die Grünen oder die Aufarbeitungskommission.

Also zahle ich selbst! Ist in jeder Hinsicht ein empowerndes Gefühl. „Alles muss man selber machen“ klingt narzisstisch-traurig. Ja, natürlich zahle ich selbst für das, was ich mir ausgesucht habe! Eine Frau muss sich in 2020 nicht einladen lassen, wo kommen wir denn da hin?

Ein Freund, der Opfer bei den Jesuiten geworden ist, wollte die 10000 Euro nicht nehmen. Diese Entscheidung hat der Sport mir abgenommen: er will mir die 10000 Euro nicht geben.

Im nächsten Artikel lesen Sie, wie sich die Protagonistin selber wiederhergestellt hat. Es wird ein Rezept für "Leber Hawaii" dabei sein - Thomas Lieven Style. 


Foto Mi consenta, Madame: Marité Toledo · CC-BY-NC-ND

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