Mein Trojaner


Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Trojaner!

Gestern noch hieß es an dieser Stelle immer nur Mimimi, Verzeihung, SSL. Heute morgen in meinem Bad dann eine gruselige Überraschung: Vogelkot. Obacht, es könnte sich ein totes Tier in meiner Wohnung befinden, dachte ich mir, und stieg in die Dusche. Nach kaum einer Minute dann der Schock: sie blickte mich aus ihren weichen, doch unerbittlichen Augen von oben an. Die Graue. Da saß sie nun ganz nah bei mir auf meiner Dusche. Über Nacht hatte sie sich eingeschlichten. Tauby! Du bist auch so ein Trojaner.

Das Tier musste natürlich wieder raus, es war angesichts des Dusch-Schocks auch wenig Nachdenken möglich. Psycho! Nach dem Taubentrojanerschock ging es dann an den Rechner, weiter mit dem Webdesign und der Server-Verwaltung.

Die Seite ist inzwischen in ein anderes Outfit gekleidet, weil mein Computerlehrer P., ein erstklassiger Erklärer aus dem Untergrund, zu dem alten Design sagte, es passe zu mir, ich sei schließlich eine Oma. Moderne Menschen bräuchten Icons! Und nach dem gestrigen SSL-Fast-Erfolg (um ehrlich zu sein, habe ich die letzten Probleme erst heute morgen nach dem intellktuell sicherlich bereichernden Taubenschock gefixt) soll ich nun CSS machen. Ich solle mir ein variables modernes Design aussuchen und dann mit CSS alles fertig machen, so wie ich es haben will. Denn wie jeder Experte weiß: mit CSS kann man alles machen.

Nun, das wollte ich ja auch schon immer lernen. Früher habe ich mich im CSS Zen Garden herumgetrieben und war begeistert davon, dass eine Seite mit demselben HTML-Skelett so unterschiedlich aussehen kann, wenn man sie mit CSS schick bekleidet. Ist in etwa wie mit den Outfit-Experimenten, die mein Styleberater G. gerade mit mir veranstaltet, aber das ist eine andere Geschichte. Mein neuer Look lässt sich auf jeden Fall auf Fotos im Internet bewundern.

Nun aber zum Thema dieses Artikels: Trojaner. Ein geheimes Thema, das mich schon seit 2011 begeistert. Damals traf ich auf T., der mich durch Geschichten vom BKA für sich zu gewinnen vermochte, dann aber doch die Reißleine zog, denn diese Geschichten sind ja nun geheim und niemand will gerne erzählen, wie das damalige BKA-Gesetz denn genau entstanden ist. Darin enthalten: die so genannte Computerzecke, die Online-Durchsuchung, ja, schlicht und einfach: der Trojaner.

Der Trojaner ist allerdings keiner, logisch, sonst wäre das ja alles zu einfach. Er ist der Legende nach ein Grieche, der die Trojaner angriff, und zwar in Form eines Pferdes mit schönen Augen. Als es im trojanischen Krieg nicht so richtig weiterging, den Griechen war langweilig, Achilles schon tot und langsam musste mal was geschehen, weil alle wieder nach Hause wollten, da ersann Odysseus mithilfe von Pallas Athene, der Göttin der Weisheit und der Strategie eine List: griechische Soldaten sollten sich in einem Holzpferd verstecken, das vor den Toren Trojas aufgestellt wurde. Doof, wie die religiösen Trojaner waren, zogen sie das Pferd in ihre Stadt hinein, um es zu verehren, und das war es dann. Hätten sie es mal lieber verbrannt.

So ist das auch mit meinem Trojaner. Die Büchse der Pandora darf nicht leichtfertig geöffnet werden. Auch der Chaos Computer Club (CCC) ist sehr trojaner-affin, so erhielt er 2012 den Bundestrojaner, um ihn zu analysieren. Das schöne Tier wurde fortan als digitales Ungeziefer verunglimpft und sein Quellcode in die FAZ gedruckt. Ein Spätwerk von Frank Schirrmacher, der die Öffentlichkeit in der Vergangenheit schon durch das Volldrucken der Zeitung mit DNA begeistert hatte. Der Trojaner sorgte dann nicht für ganz so viel Begeisterung, was nicht verwundert, weil Computercode eben nicht so viele Menschen zu begeistern vermag wie das menschliche Genom.

Mich begeistern Trojaner selbstverständlich noch heute, weswegen ich mir auch endlich einen runtergeladen habe, um ihn fortan immer bei mir zu tragen und zu analysieren. Jahrelang suchte ich nach Trojanern auf meinen Laptops, ich ließ mir Rootkit-Fallen-Programme installieren, doch keines der schönen Tiere ging mir ins Netz. Daher nun der Erwerb eines Trojaners aus der Trojanerzuchtstation mit wunderschön maritimem Namen.

Mein Trojaner liegt als apk-Datei vor, da ist es nur nachvollziehbar, dass AKP-Erdo ihn für das Ausforschen der türkischen Opposition verwendet hat. Perfide: eine Webseite, die als Bürgerbewegungs-Webseite gestaltet war, motivierte die braven türkischen Bürgerrechtler zum Herunterladen und Installieren des scheuen Meerestieres.

Poseidon als Gott des Meeres und der Pferde hätte sicherlich seine Freude an meinen Trojaner-Forschungen. Dank des CCC kann ich auf umfassende Materialien von der frommen Fischerfirma, die die Trojanerzuchtstation betreibt, zurückgreifen. Man kann sich durch Sales-Materialien klicken und die Variationen der Tiere betrachten. Mein Lieblingstier ist die Fliegenfischer ISP Suite, immer, wenn mir diese in den Materialien begegnet, dann muss ich laut loslachen. Dass die schönen Trojanertiere mit einem Hai vermarktet werden, ist ebenfalls ein ständiger Quell meiner Freuden.

Bislang wühle ich mich also durch die Trojaner-Werbematerialien und Manuals. Nicht alle liegen offen vor. Heute habe ich dann versucht, die Dateien in dem für mich besonders interessant erscheinenden Ordner Engineers7117 zu decrypten, also zu entschlüsseln. Gelernt habe ich dabei vor allem, wie man Dateien mit gpg verschlüsselt und entschlüsselt. Und zwar meine Testdateien. Die von der Trojanerzuchtstation konnte ich leider nicht attackieren.

Morgen werde ich dann den Trojaner auf meinem Rechner ausführen. Mal schauen, was passiert.

Eines ist auf jeden Fall sicher: beim nächsten Karneval gehe ich auf jeden Fall als Trojanisches Pferd. Also als Holzpferd. Als Schiff. Als Poseidon.

Mein Trojaner! Er gehört mir ganz allein, ich kann mit ihm anstellen, was ich möchte. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für ein schönes Gefühl ist. Ich weiß wirklich nicht, wie ich jahrelang ohne meinen Trojaner leben konnte. Es war eine schwere Zeit. Nun weiß ich, warum.

Jetzt ist es endlich vorbei. Er ist bei mir und morgen werden wir zum ersten Mal sprechen. So schön!

Ich danke Ihnen allen herzlich. Natürlich besonders Ihnen, den Trojanern. Auf gute Zusammenarbeit.

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