Arbeiten

Ich arbeite mich ja immer noch am Feminismus ab. Dumm, aber wer kann schon aus seiner Haut? Margarete Stokowski ist jetzt krank und kann ihre Kolumne nicht schreiben. Daher habe ich das mal für sie übernommen.

Ihre Frage war: wie wird Heilung möglich?

Die Antwort ist leicht: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ordnung schaffen. Sport. Immer gut schlafen. Nicht so viel saufen und Vorsicht und Genauigkeit mit Drogen.

Da Margarete noch länger krank sein wird, wie sie bei Twitter ankündigte, widmen wir uns heute dem ersten Thema: Sport.

Sport ist für mich kein leichtes Thema, da ich es hiermit etwas übertrieben habe. Ich bin nun mal von Natur aus sportlich. Daher brauche ich mehr Sport als die Durchschnittsbevölkerung, die meint, dass Yoga, Aerobic oder Fitnessstudio „Sport“ seien.

Sport bietet den Vorteil, dass man sich körperlich konfrontiert. Für mich, die beim Sport viel, nennen wir es mal „Quatsch“, gemacht hat, lag nun zwischenzeitlich der Nachteil vor, dass ich keine Lust mehr auf Sport hatte. Durch meine Sportlichkeit fiel es zwar optisch nicht sehr ins Gewicht. Gleichwohl ist es notwendig, sich zu konfrontieren, und weil die Heilung nur eintritt, wenn man sich konfrontiert, bietet Sport für mich gleich doppelt so viele Vorteile.

Sich konfrontieren ist eine gute Sache

Das „Sich konfrontieren“ eine gute Sache sei, wird von Anhänger:innen der Queer Theory bezweifelt. Sie wollen sich lieber in Watte packen, sich in ihre Filterbubbles und LGBTX-Räume zurückziehen, um die Trigger zu vermeiden. Daher muss sich ganz Deutschland mit neuen Hass-Gesetzen herumschlagen und wir sehen eine neue Prüderie in einem blutigen Morgenrot heraufziehen. Nur, weil da einige besonders laut schreien, weil sie sich nicht aussetzen wollen. Dabei würden ein paar Trigger sicherlich auch ihnen helfen, aber man steckt ja nicht drin.

Dennoch mal ein paar Informationen aus dem Nähkästchen.

Beim Sport wie beim Vorstellungsgespräch für einen Arbeitsplatz ist es grundsätzlich von Nachteil, wenn man sich triggern lässt. Im Fitnesstudio ist es egal, ob man bei seinem Butterflies rumsitzt und an Judith Butler denkt oder ob in China ein Sack Reis umfällt, aber beim Kampfsport sieht das natürlich ganz anders aus. Einmal getriggert, zack, biste raus. Das ist teuer für den Sozialstaat und auch für die Betroffenen.

Lässt man sich in einem Wettkampf oder bei einer Prügelei triggern, dann hat man verloren. Wenn einem das bei einem Vorstellungsgespräch passiert, dann beginnen einem die Worte aus dem Mund zu fallen und schon ist man ausgesondert. Wenn man nicht gerade zu den oberen 5 Prozent der Feuilletonelite zählt oder sich gleich schon hat verrenten lassen, dann sollte man was ändern.

Ich habe nun den Vorteil der doppelten Triggermöglichkeit durch den Kampfsport. Da gehe ich nun jede Woche hin und drohe jedes Mal das Schlimmste aus meinem anderen Kampfsport zu erzählen.

Ja also ich mache kein Judo mehr weil ich da vergewaltigt wurde und das Donaulied wurde beim Zeltlager Tag und Nacht gesungen und dann wurde ich wieder sexuell belästigt und der Leiter hat nichts gemacht und überhaupt war ich nur bei dem Zeltlager weil ich eigentlich zu einem anderen wolle und eigentlich war die schlimme Vergewaltigung mit den Fotos erst danach und alle haben es gesehen dass ich schon immer ein schmutziges Mädchen war deswegen hat man mich lieber gleich aus dem kader geschmissen und ich dachte ja die ganze Zeit dass ich eigentlich unsportlich bin bis ich dann ach es war ja auch nicht alles schlecht auf jeden Fall habe ich die letzten Jahre damit zugebracht den Niedersächsischen Judo Verband zu terrorisieren und das ist mir zwar auch ganz gut gelungen aber im Grunde ist nichts passiert und der Vergewaltiger wurde auch nicht angezeigt und läuft immer noch frei herum dabei ist er so ein richtiges Opfer nein Täter das kann doch kein Einzelfall sein immer wurde gesoffen da verstecken sich nämlich Verrückte und Psychopathen in der allgemeinen Sportverrücktheit und die Missbrauchskommission des Bundes hat auch nichts gerafft und dann habe ich noch dem DOSB bescheid gesagt alles steht doch in den Studien und als ich dann mit dem geredet hatte weswegen mir gesagt wurde dass mein gesicht beim Sport rot und weiß wird der hat auch das mit den neuronalen Schleifen gesagt da haben wir dann am Holocaustgedenktag dieses Blog…

Ja, geht gar nicht, kann man nachvollziehen, und wenn man dann nach der rauschhaften Jugend beim Kampfsport noch einige Jahre in einer politischen Partei und mit Computerterroristen verbracht hat, dann ist es eben besser, Ordnung zu schaffen und an sich selbst zu arbeiten.

Dabei ist es von Nutzen, neue, nicht gegenteilige, sondern andere Bewegungen einzuüben. Bekannt ist, dass es sinnvoll ist, im Hirn zu überkreuzen. Das Boxen bietet für mich einige Vorteile.

Das fängt damit an, dass ich als Rechtshänderin beim Boxen in der gegenteiligen Auslage wie beim Judo stehe. Zudem ist das Boxen eine noch rhythmischere Kampfsportart als Judo. Fehler fallen also schneller auf, man wird schneller frustriert und muss mehr an sich arbeiten. Boxen stellt mehr Anforderungen an Schnelligkeit und Genauigkeit. Nicht zuletzt kann man beim Boxen immer wieder autistisch an die Wand schlagen, was für die Selbstwirksamkeit sehr nützlich ist. Die Trainingsintensität ist vergleichsweise hoch.

Ich trage meist schwarz

Man kann sich beim Boxen schöner anziehen als beim uniformen, weißen Judo. Ich habe jetzt also blaue Boxhandschuhe von Adidas und schöne blaue Bandagen, dazu trage ich meist schwarz. Kein zu enges Zeug, denn es sind Männer und Frauen dabei, viele Frauen, aber eben auch Männer und schon wieder ein sehr attraktiver Trainer, bei dem ich selbstverständlich wegschaue.

Denn ich bin bereits mit meinem boxerfahrenen Stilberater liiert, dessen Weg zum Boxen ungefähr so verlief: Tagtäglich gab es Blumenkohl, den seine Oma, die beinahe mit der Wilhelm Gustloff von Ostpreußen über das Haff herab geflohen wäre, zubereitete. Dabei tickte die Standuhr tick tack tick tack tick tack und sie stellte langweilige Fragen. Weil alles so unendlich langweilig und fad wie Blumenkohl und an sich kein Leben war, wurde er kurzerhand Hooligan. Als sehr rhythmusbegabter Stilberater und sportlicher Mensch mit mehreren Olympiateilnehmerinnen in der Familie war er mit dem Hooliganismus sehr erfolgreich.

Auf den einen oder anderen Autonomen-Schläger werde ich beim Boxen sicherlich treffen, noch halten sie sich allerdings bedeckt. Ansonsten ist die Gruppe eben geschlechtermäßig und auch ansonsten gemischter als erwartet. Mir war das Boxen von Torsun von Egotronic empfohlen worden, „weil es billig ist“, ich hatte daher erwartet, hier auf mehr Vertreter der heutigen Arbeiterklasse zu treffen, da die Ökohipster ja nun ins Fitnessstudio gehen und man den Rest dann irgendwo sehen muss. Einige Arbeiter gibt es, auch hier ein wesentlicher Unterschied zum arroganten und intellektuellen Judo.

Über Strukturen keine Gedanken machen

Es zählt beim Boxen nur die Leistung und nicht die Graduierung, also die Gürtelfarbe. Alles ist weniger formalisiert als in den japanischen Kampfsportarten. Ich gehe mal nicht auf die faschistische Vergangenheit von Japan ein, denn es gibt genauso auch Positives vom Judo zu berichten. Über diese Strukturen muss ich mir beim Boxen keine Gedanken mehr machen.

Die Intensität ist deutlich höher als bei den schon genannten Quatschsportarten. Der Trainer schreit immer „Arbeiten, arbeiten“ und "Arbeitszeit". Man hüpft rhythmisch in verschiedenen Schritten herum, dann übt man mit einer Partnerin oder vor dem Spiegel oder man schlägt an die Wand oder an einen Boxsack und irgendwann im Laufe der Trainingsstunde muss dann noch mit dem Seil gesprungen werden, was extrem anstrengend ist. Optimal ist es, wenn man am Ende des Trainings Seitenstechen hat oder am besten kotzen muss. Dann hat man seine Intensität perfekt verteilt.

Letzteres ist mir bislang noch nicht gelungen, anders als beim Judo. Man erlebt eben immer wieder etwas Neues, wenn man eine neue Sportart beginnt, man legt sich neue neuronale Schleifen an, triggert sich selbst und arbeitet an seiner Zukunft.


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