Schlafhygiene



Wir leben in einer Gesellschaft! Jenes zu betonen ist dieser Tage nötiger denn je. Verrückte im Internet und anderswo rauben uns den Schlaf, weil sie selbst nicht mehr schlafen können.

Manchmal kann man einfach nicht schlafen, so wie ich kürzlich, weil Verrückte auf der Straße eine Party feiern. Sie können einem leid tun, alleine, schuld daran ist natürlich die Jamaika-Koalition, die in Bonn ein riesiges Einkaufszentrum gebaut hat und die Verrückten deswegen überall in der Stadt verstreut hat. Leidtragende sind nun wir Anwohner – und die Polizisten, die beim Auflösen solcher Parties ganz schnell als Nazis beschimpft werden.

Ja, ich habe die Polizei gerufen, weil ich gerne schlafen wollte. Ich hatte nicht wirklich etwas am nächsten Tag vor, aber es gehört zu meinen Eigenschaften, dass ich gerne früh aufstehe. Am liebsten um sechs.

Die Polizei führte den Verrückten dann ab, zum Glück hatten die Beamten Schutzwesten an, und brachten den Verrückten in die Ausnüchterungszelle oder direkt in die Psychiatrie.

„Recht so!“, hätte ich von meinem Fenster aus gerufen, wenn es angesichts der Möglichkeit, dass der Verrückte wiederkäme und mich als jene erkennen würde, die die Polizei gerufen oder zumindest seine Abführung gebilligt hatte, nicht zu gefährlich gewesen wäre. Einer der Polizisten hatte mich am Fenster trotz verdunkelter Wohnung wohl bemerkt und war seinerseits vielleicht in Sorge, dass ich das ordnungsorientierte Treiben der Schutzmänner als Nazi-Tun abqualifizieren würde, so wie es dieser Tage bei Linken bis ins Gewerkschaftsmilieu an der Tagesordnung ist.

Die Verrückten mit ihrer Verrücktenmusik (Pink Floyd, Wagner, Hip Hop, Techno, French Tek, usw) singen auch im Internet eine gar verrückte Litanei, von der wir alle getrieben werden, wenn wir uns nicht eine gewisse Autonomie zulegen. Wir alle leben in dieser Gesellschaft und der Diskurs färbt sich mehr und mehr mit einem Klang, der das Rationale in den Abguss schüttet. Genauer gesagt, der den Debattenmüll glorifiziert und die Wahrheit auf die Müllkippe wirft.

Da muss man sich nur mal einen Podcast mit Hengameh Yaghoobifarah anhören, um zu wissen, was hier eigentlich Sache ist. Und damit meine ich nicht, dass die andere Seite der Medaille, nämlich Horst Seehofer, verlässlicher wäre. Nicht mal zur Kommunion seines unehelichen Kindes ist er gegangen, benehmen kann der sich auch nicht, und das wäre eigentlich die Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Merkel wäre gut beraten, ihn demnächst zu entlassen, aber das wird die CSU wohl nicht zulassen. Da muss dann wohl erst Ilse Aigner ein Machtwort sprechen, was sie auch ohne Frauenquote sicherlich irgendwann mal tun wird.

Wenn nun die Verrückten seit spätestens den 70er Jahren, als Deleuze und Guattarri ein Verrücktenbuch zur Zerstörung des Kapitalismus geschrieben haben (ich habe es in der Warteschlange des Kreuzberger Jobcenters gelesen und es sagte mir – nichts) in der politischen Debatte an Bedeutung gewonnen haben, so sind die Verrücktheiten mit dem Internet so richtig außer Kontrolle geraten.

Das bemerkt man schon daran, dass die Zustimmung dazu, eine Corona-Maske zu tragen, bei einer Twitter-Umfrage deutlich niedriger ist als bei einer klassischen empirischen Befragung der Gesamtbevölkerung.

Man sollte sich also von den Verrückten nicht den Schlaf rauben lassen, sondern seine Online-Zeit in seinen Verrückten-Communities beschränken und lieber Petersilie züchten oder lange Texte lesen und ansonsten die Polizei rufen.

Ach ja, Paarschlaf ist auch ein Ding. Wer also einsam ist oder aufgrund seiner Verrücktheiten nicht in der Lage, sich zu binden, hat in der modernen Gesellschaft leider Pech gehabt.

Weitere Tipps zur Schlafhygiene finden sich auf der Wikipedia.

Bildnachweis: Bed Time von Sparrow at Home · CC-BY-NC

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