I put the Trolle in Selbstkontrolle

 „Ich will nicht gegen Pippi Langstrumpf kämpfen!“ Bei einer Kreismeisterschaft in den 90ern weinte ein Mädchen, weil es gegen mich einen Freundschaftskampf machen sollte. Natürlich riss ich sie dann damals einfach nach hinten um. Ich hatte Zöpfe, um meine Haare angemessen zusammenhalten zu können. Später sollte ich bei den Grünen mit dem Namen "Pippi Langstrumpf" beleidigt werden. 

Kampfsport hilft beim Überleben im Internet und beim Kampf der Geschlechter. Ich habe darauf in meinem Vortrag bei der Trollcon 2012 hingewiesen. Das lernt frau ebenso in Management-Seminaren: das Auftreten zählt. Man muss auch mal einen schmutzigen Witz erzählen können, so eine Anekdote einer Microsoft-Managerin.

Nun haben wir im Verhältnis der Geschlechter allerlei Probleme und Sociale Medien, die seit 2007 immer relevanter wurden, bringen neue Probleme mit sich. Besonders Twitter hat sich einen Ruf als hartes Pflaster erworben. War die Plattform vor einigen Jahren praktisch am Ende, so wurde ihr mit der Trump-Kampagne neues Leben eingehaucht. Trump hilft den Menschen, sich selbst ihrer „Güte“ zu vergewissern und lockt mit seinen vertrackten Tweets immer neue Widerworte hervor. Er toppt den Hass, der George W. Bush entgegen schlug, bei weitem. Die Hassmaschine Twitter wird durch Trumps Tweets jeden Tag neu geölt.

Die CSU-Politikerin Doro Bär sagte mal hellsichtig, Twitter sei ein Ort für Politiker, Journalisten und Psychopathen. Man kann sich dort am Hass laben und anschauen, was diejenigen ausmacht, die hier erfolgreich sind. Unter anderem Twitter hat den Drachenlord groß gemacht, einen Youtuber aus Franken, über den eine Zeit gesagt wurde „Aus Hatern werden Fans“. Man kann sagen, dass der Drachenlord für einige Leute für nunmehr viele Jahre eine „Mitmach-Soap“ darstellte. Durch sein aufbrausendes Wesen war er immer für einen Handyfilm gut. Teilweise fuhren an einem Wochenende 50 „Hatergruppen“ mit Papas Auto nach Altschauerberg, um den „Drachen“ zu ärgern. Inzwischen ist er allerdings finanziell und juristisch am Ende und scheint aufgeben zu müssen. Rätselhaft sind seine neuesten Aktivitäten auf Porno-Portalen. Ich bin nicht tief genug im „Drachengame“, um seine Pornostar-Karriere nachvollziehen zu können. Da sind jene, die besser zu ihm passen, nämlich junge Liberale und junge Rechte, näher dran. 

Doch es gibt im fast weltweit vernetzten Social Web noch andere Figuren. Für mich schon seit Weihnachten interessant ist Meike Lobo (bald Stoverock), die Noch-Frau von Interneterklärer Sascha Lobo. Es braucht immer einen Trigger, damit ein Streit ausbricht, ob im Internet oder offline. Stabile Persönlichkeiten können Konflikte lösen und steigern sich nicht so rein, dass am Ende nur noch Verwüstung bleibt. Und wie Heidegger mit Bezug auf Nietzsche zu wissen glaubt: Verwüstung ist schlimmer als Zerstörung. Aber das nur nebenbei als kleine Nebenanekdote, da ich das Trollen als zerstörerische Kommunikation identifiziert habe. Heideggerwitze sind für mich immer ein Ding, da muss ich immer erst mal abschweifen. 

Zurück zum Thema: Ich verfolge Meikes Scheidungsdrama also schon länger. Nun schreibt sie ein Buch über die Ordnung der Geschlechter aus Biologinnen-Sicht, denn sie ist nun mal Biologin. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über Zecken, die habe ich natürlich auch gelesen. Darin lässt sich nachvollziehen, wie mühsam das „Abflaggen“ des Bodens am frühen Morgen ist, besonders bei Regen oder Bodenfrost, und wie schlecht die PCR-Methode, die Meike in ihrer Doktorarbeit für das höhere Ziel der Wissenschaft am Beispiel der Zecken-DNA erprobte, eigentlich funktioniert. In der Doktorarbeit lässt sich das Wissenschaftler-Leid gleichsam körperlich erspüren: Hamburg, Hannover und Kassel sind fürwahr nicht die schönsten Orte für allmorgendliche Zeckenwanderungen. 

Man könnte mir mit Fug und Recht Stalking vorwerfen, wenn da nicht ein Streit wäre, der ungeklärt zwischen Meike und mir in der digitalen Welt herumwabert. Eigentlich wollte ich doch nur helfen! Als ich bei Twitter las, dass sie mit dem Abtreibungskapitel ihres Buchs nicht vorankommt, mailte ich sie an und bot Hilfe an. Das kam jedoch nicht so gut an, vielleicht hatte ich mich nicht klar genug ausgedrückt. Auf jeden Fall bezeichnete mich die bekannte Bloggerin Meike Lobo (bald Stoverock, Gott allein weiß, warum sie den klingenden Namen ihres Exmanns nicht behalten will) als „nicht satisfaktionsfähig“. Das ist ja mal allerhand, dachte ich mir. Hatte ich doch den Verdacht, dass Teile der Berliner Internetblase böse Gedanken über mich hegen. Sofort getriggert und in den Kampfmodus übergegangen. Please shoot the messenger. Du beleidigst misch nischt, komm ran!

Nun habe ich einige Jahre Kampfsport gemacht und das, was mir eigentlich am meisten im Gedächtnis geblieben ist, ist der Satz „Jetzt nur nicht nachlassen“. Auch wenn es wehtut, einfach immer weiter festhalten. Wenn die Muskeln müde werden, ganz egal, der Wille zählt. Aus psychologischer Sicht nicht der beste Satz, weil er negativ formuliert ist, besser wäre etwas wie „arbeiten“, was beim Boxen immer gerufen wird, positiv formulieren, aber das „jetzt nur nicht nachlassen“ erfüllt seinen Zweck bei mir durch die jahrelange Prägung sehr nachhaltig. Ich wurde beim Judo zum Pitbull ausgebildet. Wo ich mich festgebissen habe, da lasse ich nicht mehr los und laufe im Notfall bis zur Küste hinterher. Beleidigungen und Lügen über mich im Internet? Nicht satisfaktionsfähig? Wie bitte? Das geht ja mal gar nicht! Da geh ich hinterher! Sicher ist: Ich lasse nicht nach, bis Meike ihre Niederlage eingesteht. 

„Satisfaktion“ ist ein Begriff aus der Duellszene. Wer als „nicht satisfaktionsfähig“ bezeichnet wird, wird als „dumm“ „nicht beleidigungsfähig“ angesehen. Das hat zur Folge, das sich mit der Person nicht duelliert wird. Im Volksmund sind jene, die nicht satisfaktionsfähig sind, solche, die nicht dazugehören. Die, die peinlich sind, weil sie beim Dinner die Gabeln nicht in der richtigen Reihenfolge aufheben können. Man könnte den Begriff fast als faschistisch ansehen, weil er den Menschen unterschiedliche Wertigkeiten zuschreibt, aber das geht vermutlich zu weit. Nicht jede Micro Aggression ist faschistisch. 

So hat Meike mich also getriggert und ich sage dazu: „Nicht satisfaktionsfähig? Als ob! En Garde!“. Denn wenn ich auch in Teilen der Berliner Internetblase als Opfer oder was auch immer gelte, so ist es nicht akzeptabel, einfach mal so herumzubeleidigen und sich dann dem Kampf Frau gegen Frau zu entziehen. Im Meikes Twitter finde ich nun allerlei Beleidigungen und Lügen gegen meine Person, doch ein kluger Kämpfer wartet gleichsam im Schützengraben ab, was der Gegner vorlegt, beobachtet dessen Strategie und Spezialtechniken und schlägt erst zu, wenn die Taktik des Anderen abrecherchiert ist. 

Voreiliges Handeln offenbart nur eine Gefühlsbetontheit, die submissiven Personen vorbehalten ist. Ich als sadistisches Schwein in Ausbildung kann mir ein solches Handeln selbstverständlich nicht leisten. Oink. 

Wir Frauen sind nämlich viel zu sehr darauf geprägt zu duckmäusern, uns unterzuordnen und nett zu sein. Manche wollen nun das System ändern, nämlich den so genannten Kapitalismus weiblicher machen. Ich schlage hingegen vor, aufzumannen. Das habe ich in meinem Leben auch so gehalten, nachdem ich darauf hingewiesen worden bin, dass ich mich unterwürfig verhalte und daher von Zeit zu Zeit die Kontrolle verliere. Das geht natürlich gar nicht, weil ein solches Verhalten andere Menschen belästigt und ihnen unnötig Schaden zufügt.

Bei Twitter sind unzählige dieser Meike-Streubomben unterwegs, die ständig ausrasten, die anderen Schaden und Schmerz zufügen und das gar nicht mehr merken, weil sie selbst schon beschädigt in das Social Web gekommen sind. Sie müssen erkennen, dass ihre Träume nicht eingelöst werden und suchen die Schuld für ihr Scheitern bei den anderen. Das ist wirklich schade. 

Schade für Meike ist zum Beispiel, dass sie auf den Spielplatz gehen muss und dort von raubtierhaften Männern weggebeamt wird. Es sind wirklich aufschlussreiche Gespräche, die ich in ihrem Twitterstream und in ihren Instagram-Videos auskundschaften darf, das ist Peak Post Privacy, das ist die Berliner Twitterblase par Excellence. Ich liebe es einfach nur. 

Habe ich doch allein an der linken Hand mehrere Raubtiere zur Verfügung, Bundeskader, Hooligan, DDR-Sportsystem, alles Phenylethylamin, alles gutes Verhalten, alles, was das Herz begehrt, während Meike auf dem Spielplatz von etwas träumen muss, was sie noch gar nicht verstanden hat, und diese Ahnungen von einer besseren, härteren Männerwelt in Twitter-GIFs gießen muss. Das ist wirklich schade, dass die Welt so ungerecht ist, manchmal frisst du den Bären und manchmal frisst der Bär dich, und manche werden permanent vom Bären gefressen und andere sitzen in ihrem Schützengraben und lachen sich ins Fäustchen. 

Das ist ganz bestimmt Schicksal, weil der Mensch eine Maschine ist, geprägt wie eine Ratte in der Sinner-, Verzeihung, Skinnerbox. Und daher freue ich mich sehr auf Meikes Buch, ich werde es selbstverständlich an dieser Stelle rezensieren, denn die mühsame Recherchearbeit soll nicht verloren sein. Planung ist alles. Selbstkontrolle auch. Warte, warte nur ein Weilchen...

...ach ja, ich hab gelogen, als ich sagte, ich hätte alle meine Judoanzüge weggegeben, schamlos gelogen habe ich, weil man das im Internet eben so macht. Das könnte man als Exfrau eines Werbers eigentlich am besten wissen. 



Kommentare

  1. Wie feministisch ist es eigentlich gleich mehrfach die frau, die du angreifst über ihren ex zu definieren? berliner filterblase ist von weit außen immer ein genuss! dieses drama! diese emotionen! für abdolut nichts. kein mensch interessiert sich dafür, dass du in einer mail "beleidigt" wurdest. bleib halt locker statt so nen aufriss zu machen...das hier sieht nach hysterie aus.

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  2. If daf fo? Wie hat sie denn genau den gar nicht so schlecht dotierten (wie man hört) Buchvertrag bekommen, wenn ich mal so rabulistisch fragen darf? Wirst du ihr Buch lesen? Findest du ihre Insta-Videos im Sinne des Selbstschutzes klug? Sind Menschen nicht zur Selbstsorge angehalten? Welche Bedeutung haben in diesem Kontext die fortwährenden Klagen mächtiger Frauen über Trollkommentare? Was steckt da für ein Frauenbild hinter? So viele Fragen und dir fällt nur ein bekannter Blogger mit rotem Iro ein. sad.jpg

    Ach ja: hysterisch sagt man heutzutage nicht mehr, das Fachwort ist histronisch.

    "Die Bezeichnung histrionische Persönlichkeitsstörung wurde 1980 im DSM-III eingeführt. Damit ist die HPS aus dem nur noch von der psychoanalytischen Schule verwendeten Begriff Hysterie herausgelöst und von der Konversionsstörung abgetrennt worden. Diese neue Begrifflichkeit hat sich als nötig erwiesen, da der Begriff Hysterie heute in der medizinischen Fachsprache als veraltet gilt und ihm ein abwertender Klang anhaftet."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Histrionische_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung#Begriffsgeschichte

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  3. Der tatsächlich extrem gut dotierte Buchvertrag resultiert aus den Connections des Agenten ihres Mannes. Wie alles, was Frau Noch-Lobo Erfolg beschert(e), auf Sascha zurückzuführen ist. Aber der Vertrag ist das eine - einen Titel erfolgreich zu verkaufen, etwas ganz anderes. Bleibt zu hoffen, dass sich der Verlag dahingehend abgesichert hat, dass unter Meike Lobo veröffentlicht wird. Ein Buch von Meike Stover-DingsBums wird nämlich keinen Arsch interessieren...

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    1. Wie komme ich an diesen Agenten? Meine alte Agentin ist leider kaputt.

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