Meine Taubenfreunde

Es ist Dienstag, vielerorts kommt die Müllabfuhr, die Mülltonnen belästigen alle mit ihrem giftigen Atem und obwohl sich Margarete in der Zwischenzeit mit ihrer ebenso übelriechenden Kolumne zurückgemeldet hat, ...

Update: bei Twitter teilte die Spon-Kolumnistin zeitgleich mit der Veröffentlichung dieser Kolumne mit, dass ihre wieder ausfiele, weil wieder krank. Was für ein postmodernes, kurzfristiges, affektgesteuertes Hin- und her! Aber um so besser, so wird ihre Kolumne auch diese Woche offiziell von Julia Seeliger übernommen. 

... soll hier weiterhin der Versuch unternommen werden, Hinweise für Lebensverbesserungen der Frauen zu geben, denn dies ist das Ziel des Feminismus. Wir wissen alle, dass die männliche Gesellschaft die Frauen krank und unglücklich macht, Feministinnen wollen die menschliche Gesellschaft.

Wenn frau also an ihre gläserne Decke gestoßen ist, dann ärgert sie sich erst mal eine Runde und fällt sodann in eine Depression. Logisch und nachvollziehbar. 

Mir haben meine Taubenfreunde sehr geholfen. Sie arbeiten nicht und gehen doch den ganzen Tag durch die Innenstadt und picken leckeres Essen. Ihnen eigen ist, dass sie als Schwarm auftreten, die genetische Vielfalt dieser Tiere ist mannigfaltig und in ihrer Vielheit gewinnen sie eine zusätzliche Schönheit. Wie kleine Flugzeuge zischen sie im Schwarm oder zu zweit durch den dreidimensionalen Luftraum. Um hingegen am Stadtboden dreidimensional sehen zu können, wackeln sie ihren Kopf wie Holzfiguren vor- und zurück, denn ihre Augen sind aus Sicherheitsgründen an der Kopfseite angebracht, nicht vorne im Gesicht wie bei Menschen. 

Tauben sind lebenslang monogam. Eine wollte mich schon heiraten, eines Morgens überraschte sie mich im Badezimmer. 

Böse Menschen nennen sie die Ratten der Lüfte. Doch wer kann widerstehen, wenn er in ihre sanften braunen Augen blickt? Vielerorts ist es verboten, die Tauben zu füttern und das ist auch ganz gut so, wenngleich die verrückte Taubennachbarin, eine Art Katzenfrau der Lüfte, sich nicht zügeln kann, den schönen Tieren wieder und wieder Körner hinzuwerfen. Vorteil für mich dabei ist, dass ich mich am stets vor Ort wartenden Taubenschwarm und seinem beruhigenden Gegurre laben kann, ohne dass ich mich der Fütterung schuldig mache. 

Doch die urbanen Genossen könnten auch ohne die Taubenfrau leben. Sie stolzieren durch die Innenstadt und begrüßen einen mit lieblichem Betteln. Man kann durch das Betrachten der Tauben auch nervige Männer-Blicke vermeiden, so dass es möglich ist, stets in einem sexy-schicken Outfit durch die Fußgängerzone zu stolzieren, ohne belästigt zu werden.

Die Stadttauben scheinen sexistisch orientiert zu sein, zumindest deuten darauf die seltsam-irrationalen Verhaltensweisen der Männertauben hin. Oft führen die Hähne einen Kreiseltanz auf und werfen das Weibchen kurz darauf vom Dach. Die auf dem Land und im Wald vorkommenden Ringeltauben scheinen da gleichberechtigter drauf zu sein, ihr Balztanz ähnelt nach meiner Beobachtung eher einem Kampf, da fliegen Tauben in den Bäumen hoch und runter und hacken auf sich ein, was mir als geborenem Landei selbstverständlich mehr zusagt. 

Jedoch bin ich nun zum Stadtkind geworden. Das Dorf bietet zwar durchaus seine Vorteile, man spricht mit jedem, sitzt auch mal mit einem Unterschichts-Großvater in der Laube und hört Plattdeutsches und Schlager auf NDR 1, man erfährt etwas aus allen Bevölkerungsschichten. Doch der erwachsene Mensch kann auf dem Land nur noch aus Gründen der Depression leben, schon allein, weil es dort kein Breitband gibt. Stadtluft macht frei. 

Hier habe ich nicht den Spatz in der Hand, sondern eine Vielzahl von wunderschönen Tauben auf dem Dach. Und auf dem Boden. Sie arbeiten nicht und schlendern doch den ganzen Tag durch die Einkaufsstraße und erhalten ihren Lebensunterhalt. Das ist würdig und recht. 


Tauben auf dem Dach



Tauben auf dem Dach

Kommentare

  1. Ein bißchen Klugscheißerei: Stadttaubenpopulationen stammen von Brieftauben ab, sind also teilverwilderte Haustiere. Ringeltauben sind Wildtauben. Stadttauben können zur Plage werden, aber dagegen hilft kein Fütterungsverbot, sondern nur »Management« mit betreuten Schlägen (Tauben sind standorttreu) und Austausch des Geleges gegen Gipseier, das sogenannte »Augsburger Modell«. In diesem Kontext ist Füttern ok, aber dazu bedarf es kommunaler Programme und Budgets.

    Leider picken Stadttauben auch in den seltensten Fällen »leckeres Essen«, sondern meistens Lebensmittelabfälle (außer im Falle illegaler Fütterung). Bei artgerechter Fütterung scheißen sie auch normale, feste Böppel und nicht den Dünnpfiff, der dann tatsächlich Gebäudefassaden angreifen kann.

    Außerdem kommt es immer wieder vor, dass sie sich mit den Füßen in Haaren, Schnüren, Resten von Netzen und ähnlichem verfangen, wodurch sie im schlimmsten Fall durch Abschnürung den Fuß verlieren können.

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  2. Tausend Dank für diesen kundigen Kommentar! Es ist in diesem Blog sehr wichtig klugzuscheißen, da man nie weiß, was gelogen ist und was der Wahrheit entspricht. Typisch Blogger eben!

    Ich habe mal eine Stadttaube, die anscheinend nicht mehr fliegen konnte, zumindest ging sie tagelang durch die Einkaufsstraße, bei einem Verein mit dem interessanten Namen "Verein zur Endlösung des Taubenproblems" abgegeben. ...äh öh der Verein hieß anders, aber nicht sehr anders. Die die Taube in Empfang nehmende Frau sagte:

    "Die fressen alles, auch Scheiße."

    In Bonn wurde kommunalpolitisch schon über das Augsburger Modell gesprochen, entschieden wurde nichts.

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